Das Erinnern ist eine enorme Gedächtnisleistung, an der viele Teile des Gehirns gleichzeitig beteiligt sind. Manche Erinnerungen bleiben uns länger erhalten als andere.

Bereits im späten 19. Jahrhundert war der US-Psychologe William James davon überzeugt, dass Erlebnisse, die sehr emotional sind, sich so tief in unser Gedächtnis eingraben, als würden sie »Narben im Gehirngewebe« hinterlassen. Das ist natürlich nur eine Metapher. Im Prinzip lag James aber genau richtig: Wir können uns viel länger an Dinge erinnern, bei denen starke Emotionen mit im Spiel waren. Auch die Art der Gefühle scheint eine Rolle zu spielen: Negative Emotionen erhöhen die Erinnerungsleistung leider stärker, als positive Emotionen es tun. Das ist der Grund, warum ein traumatisches Erlebnis uns lange zu schaffen machen kann, ein schönes Erlebnis aber kaum für immer heilen kann.

Viele Ältere erinnern sich besonders gut an schöne Dinge

Einziger Trost: Das scheint sich mit den Jahren schrittweise zu ändern. Wenn wir älter werden, fallen uns zunehmend Momente aus der Vergangenheit ein, die mit angenehmen Gefühlen verknüpft sind. Das liegt vermutlich daran, dass das Gehirn negative Erfahrungen mit der Zeit anders verarbeitet. Man nimmt das Schlechte, das einem widerfährt – und auch das Schlechte, an das man sich erinnert –, nicht mehr so persönlich. Das entspricht auch unserer Alltagserfahrung: In der Kindheit können uns Schicksalsschläge im ersten Moment leichter umwerfen als mit 80 Jahren. Das Alter mag den Menschen morsche Gelenke bescheren – aber vermutlich auch ein dickeres Fell.

(Text: Jochen Metzger)

Der Text ist in P.M. Fragen & Antworten Ausgabe 08/2020 erschienen.

Wie kann ich mein Gedächtnis trainieren?

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