Der Effekt ist ein Totschlagargument in Online-Debatten: Aber leiden wir vielleicht alle an Selbstüberschätzung?

Das Phänomen kannten lange Zeit nur ein paar Fachleute in der Wissenschaft. Inzwischen ist der Dunning-Kruger-Effekt zum Totschlagargument in Online-Debatten geworden. Er besagt: »Wer keine Ahnung von einer Sache hat, ist besonders davon überzeugt, im Recht zu sein.«

Seine Entdeckung geht zurück auf eine Studie aus dem Jahr 1999. Dabei luden die US-Psychologen David Dunning und Justin Kruger mehrere Freiwillige in ihr Labor und ließen sie diverse Tests absolvieren. Die Probanden sollten einschätzen, wie gut bestimmte Witze beim Publikum ankommen würden; man ließ sie außerdem ein paar Logikrätsel und eine Art Grammatikquiz lösen. Vor den Tests hatten Dunning und Kruger gefragt: Was meinst du, wie gut du dabei abschneidest? Das Ergebnis war stets dasselbe: Wer im Quiz versagte, hatte seine Fähigkeiten zuvor dramatisch überschätzt. Die entsprechenden Teilnehmer waren also »unfähig, ohne sich darüber im Klaren zu sein«. Die Testbesten hatten ihre eigene Leistung dagegen zu niedrig eingeschätzt.

Überschätzen wir alle unsere Leistungen?

Kürzlich haben zwei Psychologen den Dunning-Kruger-Effekt jedoch scharf kritisiert. Sie behaupten: In Wahrheit überschätzen wir alle unsere Leistungen in den allermeisten Fällen.

Wir halten uns also für klüger, als wir wirklich sind. Und es schützt uns auch nicht, wenn wir in einer Sache gut informiert sind.

Wirklich widerlegt ist der Dunning-Kruger-Effekt dadurch zwar nicht. Dass er umstritten ist, kann man sich allerdings merken. Denn die nächste Online-Debatte kommt bestimmt.

(Text: Jochen Metzger)

Der Artikel ist in der Ausgabe 06/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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