Jesu Geburt ist der zentrale Bezugspunkt der christlichen Zeitrechnung. Doch ihr Begründer kannte die Zahl Null noch gar nicht.

Ja und nein. Es kommt darauf an, welche Zeitrechnung man verwendet. In der sogenannten astronomischen Zeitrechnung gibt es das Jahr null. Es entspricht dem Jahr vor der Geburt Christi. Das Jahr davor wäre -1, dann -2, -3 und so weiter. 

Der römische Mönch Dionysius Exiguus begründete im Jahr 525 die christliche Zeitrechnung. Die Zahl Null war damals noch nicht bekannt. Sie stammt aus dem dezimalen Zahlensystem. Von Indien gelangte es über Babylonien nach Griechenland und erreichte Italien erst im 13. Jahrhundert. In Deutschland wurde es Anfang des 16. Jahrhunderts durch den Mathematiker Adam Ries bekannt. 

Auf die Art der Zeitrechnung kommt es an

Für Dionysius Exiguus gab es also noch keine Null. Dennoch war für ihn die Geburt Christi der zentrale Bezugspunkt. Hieraus entwickelte sich 1582 die gregorianische Zeitrechnung, benannt nach dem damaligen Papst Gregor XIII. Bis heute ist der gregorianische Kalender das am meisten verbreitete Kalendersystem. Das Geburtsjahr Christi entspricht in ihm dem Jahr 1 (astronomisch) beziehungsweise dem Jahr 1 n. Chr. (in der christlichen Zeitrechnung). 

Wie alt wurde demnach jemand, der im Jahr 20 v. Chr. geboren und im Jahr 20 n. Chr. gestorben ist? Spontan würde man wohl auf 40 Jahre kommen. Allerdings darf man bei der Berechnung nicht vergessen, dass es in der christlichen Zeitrechnung das Jahr null nicht gibt. 

Das Jahr 20 v. Chr. entspricht in der astronomischen Zeitrechnung dem Jahr -19. Das Jahr 20 n. Chr. ist das astronomische Jahr 20. Somit ergibt sich ein Alter von 39 Jahren – sowohl nach der astronomischen als auch der christlichen Zeitrechnung.

(Text: Nico Schäffauer)

Der Artikel ist in der Ausgabe 12/2020 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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