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Wie funktionierte das Orakel von Delphi?

2. Dez.
Foto: © Siro Moya/VWPics/Redux/laif

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Stadtgründungen, der Erlass neuer Gesetze und die Bestattung von Toten: Die Weissagungen des Orakels von Delphi halfen bei allen möglichen Fragen

(Text: Manuel Opitz)

Das sagenhafte Orakel von Delphi war offenbar so geheim, dass kein einziger Text aus der Antike mit einer wirklich verständlichen Beschreibung dieses Ortes überliefert ist. Und so rätseln Wissenschaftler bis heute, wie die Weissagungen konkret abliefen. Fest steht: Über Jahrhunderte hinweg suchten Privatleute wie Könige aus der gesamten griechischen Welt Rat bei dem Orakel, gelegen zwischen steilen Hängen nördlich des Golfs von Korinth. Die Weissagungen halfen bei allen möglichen Fragen, von Stadtgründungen über den Erlass neuer Gesetze bis hin zur Bestattung von Toten. Die Hochzeit des Orakels währte vom 6. bis 4. vorchristlichen Jahrhundert.

Das Orakel war Teil eines Apollontempels, gewidmet dem Gott des Lichts, der Heilung, der Weissagung und der Künste, allen voran der Dichtkunst. Innerhalb dieses Heiligtums gab es einen verborgenen Raum, das Adyton.

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Die Botschaft des Gottes kommt anfangs in Versform

Hier saß die Pythia, die Priesterin des Apollon, auf einem Dreifuß über einer Erdspalte und empfing den Orakelspruch des Gottes. Sie gab die Botschaft des Apollon wiederum an Priester weiter, die die Worte anfangs in Versen, später in Prosa für denjenigen umformulierten, der das Orakel befragt hatte. Ob oder wie die Priesterin in eine Art Trance versetzt wurde, ist umstritten. Immerhin konnten an jenem Ort Gase wie Ethan, Methan und Ethen nachgewiesen werden, die die Pythia möglicherweise benommen gemacht haben. Auch das Kauen von Lorbeerblättern und Wasser aus einer heiligen Quelle sollen Inspiration gebracht haben.

Zunächst fanden Weissagungen nur an einem einzigen Tag im Jahr statt, doch bald wurde der Andrang so groß, dass zumindest in den Sommermonaten einmal im Monat Fragen entgegengenommen wurden.

Für Delphi waren die Prophezeiungen überaus lukrativ, denn jeder Klient musste natürlich, je nach Status und Herkunft, für sein Gesuch zahlen. Die Antwort auf seine Frage war für gewöhnlich zweideutig formuliert: ein Trick, denn so konnte das Orakel gar nicht falschliegen. Das musste etwa der Lyderkönig Kroisos erfahren. Als er die Priesterin fragte, ob er die Perser angreifen solle, antwortete sie: »Wenn du über den Halys (einen Grenzfluss) ziehst, wirst du ein großes Reich zerstören.« Kroisos zog in die Schlacht – und verlor. Er hatte tatsächlich ein großes Reich zerstört, allerdings sein eigenes.

Der Artikel ist in der Ausgabe 10/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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