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Wie lautet der Originalname von Jesus Christus?

21. Dez.

Foto: © imago images/Hanke

»Christus» ist kein Name, sondern ein Titel und dem Vornamen »Jesus» auf der Spur stößt man auf verschiedene Sprachen und Übertragungen

(Text: Minerva Fois)

Jesus Christus – dieser Name ist Christen wie Nichtchristen weltweit ein Begriff. Die historische Person Jesus von Nazareth trat zu Beginn unserer Zeitrechnung als jüdischer Wanderprediger in Erscheinung, und die entsprechende religiöse Figur steht im Zentrum der nach ihr benannten Weltreligion, des Christentums. »Christus« ist kein Name, sondern ein Titel. Dieser beruht auf dem griechischen Wort »christos«. Das bedeutet »der Gesalbte« und übersetzt das aus dem Hebräischen stammende Wort »Messias« aus dem Alten Testament. Indem sie Jesus mit der Zusatzbezeichnung »Christus« versahen, bekannten seine Anhänger, in ihm den Erlöser zu sehen. Sich selbst bezeichnen sie seit etwa 45 n. Chr. als »Christen«.

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Dem Vornamen »Jesus« auf der Spur stößt man auf verschiedene Sprachen und Übertragungen. Zunächst ist »Jesus« einfach eine lateinische Variante der griechischen Form »Iesous«. Griechisch war die dominante Sprache im östlichen Mittelmeerraum zur Zeit des frühen Christentums. Auch das Neue Testament wurde auf Griechisch verfasst – im Gegensatz zum Alten Testament: Hier ist die Originalsprache Hebräisch, durchsetzt mit aramäischen Ausdrücken. Denn: Parallel zum Hebräischen war Aramäisch als Volkssprache üblich und vor allem mündlich viel gebräuchlicher.

Nicht »Jesus«, sondern »Jeschua«

Der Theologieprofessor Thomas Söding bezeichnet Aramäisch als »erste Weltsprache der Menschheit«, bezeugt seit 1000 v. Chr. Dieses Aramäisch (beziehungsweise einer der zahlreichen aramäischen Dialekte) war die Muttersprache von Jesus von Nazareth. Folglich trug der Mann, der Jesus Christus wurde, in der Realität wohl die aramäische Variante des berühmt gewordenen Namens: nicht »Jesus«, sondern »Jeschua«. Das wiederum ist eine Kurzform des hebräischen »Jehoschua«. Für die christliche Theologie handelt es sich um einen im Kern »theophoren« Namen. Das heißt, er enthält den Namen des Gottes – hier des hebräischen »JHWH«. »Jeschua« und die vielen Variationen des Namens bis hin zu »Jesus« bedeuten nach dieser Lesart letztlich »Gott rettet«.

Weil der Name damit einen ganzen und zudem bedeutungsschweren Satz enthält, gilt »Jesus« auch als kürzestes Gebet der Christenheit. In der katholischen Kirche gibt es sogar ein dem Namen gewidmetes »Namen-Jesu-Fest« am 3. Januar.

Der Artikel ist in der Ausgabe 12/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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