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Wurde die Demokratie zweimal erfunden?

12. Jan.

Modell eines »Council House« der Muscogee: Bildeten auch die Ureinwohner der USA demokratische Gemeinwesen?

Foto: © Bridgemanimages.com

Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass auch Stämme in Nordamerika Demokratie praktizierten - lange bevor sie mit Europäern in Kontakt kamen

(Text: Angelika Franz)

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass die Demokratie vor etwa 2500 Jahren in Griechenland erfunden wurde und sich von dort aus in andere Regionen der Welt verbreitete. Nun aber legen neue Forschungsergebnisse eines Teams des University of Georgia Laboratory of Archaeology und von Angehörigen der Muscogee Nation nahe, dass auch Stämme in Nordamerika bereits Demokratie praktizierten – und zwar lange bevor sie mit Europäern in Kontakt kamen. In Cold Springs im US-Bundesstaat Georgia haben Archäologen ein sogenanntes Council House gefunden, das vor rund 1500 Jahren gebaut wurde, ein Jahrtausend vor der Ankunft der Europäer in Nordamerika.

Council Houses sind große, runde Gebäude, in denen die Angehörigen eines Stammes sich versammeln, um gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Hunderte oder gar Tausende Mitglieder einer Gemeinschaft kommen darin zusammen, Männer wie Frauen sind an der Entscheidungsfindung beteiligt. Auch heute noch wird diese Form der Demokratie praktiziert, beispielsweise bei den Angehörigen der Muscogee Nation. 

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Die Neue Datierung basiert auf Radiokarbontestungen

Wie weit diese Form der Entscheidungsfindung allerdings in die Vergangenheit zurückreicht, war bisher unter Historikerinnen und Historikern noch umstritten. Gemeinhin hieß es, die Stämme Nordamerikas seien von autoritär handelnden Häuptlingen geführt worden. Diese Vorstellung beruht allerdings auf den Beschreibungen der ersten Europäer, die keinen echten Einblick in die Gemeinschaft der Stämme hatten. Die neue Datierung aus Cold Springs basiert auf der Radiokarbontestung von Artefakten aus dem Council House. Sie zeigt, dass der Bau des Gebäudes um das Jahr 500 begann. Zwei Jahrhunderte lang wurde es dann für Versammlungen genutzt. Die Stätte wurde bereits 1970 ausgegraben. 

Eine Interpretation der Funde als Council House wurde aber erst durch die Beteiligung der Muscogee Nation möglich, deren Angehörige sie mit ihrem Wissen um die eigene Tradition richtig interpretieren konnten.

Der Artikel ist in P.M. Schneller Schlau erschienen.

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