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Gesellschaft

Wie kann man gegen filmende Unfallgaffer vorgehen?

12. Okt.
Mobile Phone, Cell Phone, Phone

Foto: © obs/ Scholz & Friends

Die Johanniter-Unfall-Hilfe will das Fotografieren an Unfallorten künftig unterbinden – und zwar mit einem speziellen, übergroßen QR-Code

(Text: Christian Haas)

Wenn sensationslüsterne Passanten Einsatzkräfte behindern, indem sie den Helfern im Wege stehen oder sie gar belästigen, ist das ein ebenso unschönes wie schwer erklärbares Phänomen. Doch von genau dieser Unsitte berichten zunehmend Feuerwehrleute, Polizisten und Sanitäter, die Erste Hilfe am Unfallort leisten. Gipfel der Perversion: Wenn Gaffer die oft von Schwerverletzten geprägte Szene per Smartphone filmen – und die Videos dann womöglich noch im Internet verbreiten.

Das abstoßende Verhalten beschäftigt längst auch die Politik. So beschloss das Justizministerium, Unfallgaffer mit hohen Geldstrafen zu belangen. Wer zudem Filme von Verwundeten macht und/oder veröffentlicht, muss gar mit einer bis zu zweijährigen Haftstrafe rechnen. Die Wirkung des Anfang 2021 in Kraft getretenen Gesetzes muss sich aber erst noch zeigen.

»Stopp! Gaffen tötet!«

Die Johanniter-Unfall-Hilfe verfolgt derweil einen anderen Ansatz, das Fotografieren an Unfallorten künftig zu unterbinden – und zwar mit einem speziellen, übergroßen QR-Code. Dieser kann wie eine Sichtschutzwand bei Einsätzen rasch seitlich und hinten an den Rettungsfahrzeugen angebracht werden. Der Clou: Halten Neugierige ihr Smartphone auf das Unfallgeschehen neben dem Wagen, wird wegen der bis zu zwei Meter großen Anzeigefläche quasi automatisch ein Warnhinweis im Handy ausgelöst. Wie das? Die meisten Smartphone-Kameras erkennen QR-Codes mittlerweile ohne separates Programm und verlinken automatisch auf die hinterlegte Webseite. In diesem Fall erscheint dann auf dem Display der Hinweis »Stopp! Gaffen tötet!«. Die drastische Botschaft soll dem Sensationslustigen seine Tat unmittelbar bewusst machen – und ihn zum Nachdenken bringen. »Die innovative Idee hat das Potenzial, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und viele Menschen zum Umdenken zu bewegen«, ist Johanniter-Vorstand Jörg Lüssem überzeugt. Erste Modellversuche verliefen erfolgversprechend, heißt es bei der Hilfsorganisation. Nun soll die Aktion auf deutlich mehr Einsatzwagen im gesamten Bundesgebiet ausgeweitet werden.

Der Artikel ist in der Ausgabe 9/2020 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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