Jahreszeit und der Geburtsmonat haben einen Einfluss auf das Leben und den Charakter von Menschen. Das glauben viele Menschen – aber was sagt die Wissenschaft?

Der Gedanke liegt nahe, dass Kinder, die im hellen, warmen Sommer auf die Welt kommen, ein sonnigeres Gemüt haben als Winterkinder. Und tatsächlich wird seit Jahrzehnten zu der Frage geforscht, ob die Jahreszeit, in der ein Kind geboren wird, Einfluss auf seinen Charakter und seine Gesundheit hat. Es gibt Studien, die nahelegen, dass Mai-Kinder glücklicher sind als November-Kinder. Andere zeigen, dass Frühlingskinder ihre Emotionen besser kontrollieren können als Kinder, die in Herbst und Winter geboren wurden. Und wieder andere finden heraus, dass Männer, die im Winter auf die Welt kamen, besonders häufig »Sensation-Seeker« sind, also ständig neue Reize suchen.

Über einzelne Monats-Charaktere lässt sich keine fundierte Aussage machen

Was auffällt: In den Studien werden ganz unterschiedliche Effekte untersucht, statt einige zentrale Charaktereigenschaften herauszugreifen und die Forschung darauf zu konzentrieren. Die Einzelergebnisse lassen daher keine generellen Aussagen zu. Außerdem ist oft unklar, welche anderen Faktoren noch eine Rolle spielen und die Ergebnisse möglicherweise verzerren. Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigte zum Beispiel, dass Kinder, die im Frühjahr geboren wurden, einen geringeren IQ hatten als Sommerkinder. Wurden andere Effekte wie der sozioökonomische Status, der IQ der Mutter oder die Ernährung mitberücksichtigt, schwanden die Unterschiede weitgehend. Über einzelne »Monatscharaktere« lässt sich also bislang keine wirklich fundierte Aussage machen, auch wenn es viele Anzeichen gibt. Etwa, dass es einen Unterschied macht, wie warm man eingepackt wird, wenn man als Baby draußen ist, und ob es viel hell oder dunkel ist.

Besser ist die Studienlage, wenn es um Krankheiten oder Störungen geht. Etliche Studien konzentrieren sich auf den Zusammenhang zwischen Schizophrenie und der Jahreszeit der Geburt. Die Ergebnisse zeigen ein leicht erhöhtes Risiko für Kinder, die in Winter und Frühjahr geboren wurden. Studien zu Autismus wiederum weisen auf ein etwas erhöhtes Risiko bei Geburten im Sommer oder Herbst hin. Mögliche Ursachen könnten saisonale Virusinfektionen der Mutter sein, so eine These. Fazit: Es ist eine gehörige Portion Skepsis geboten, wenn der Geburtsmonat als Erklärung für die Entwicklung eines Kindes herhalten soll.

(Text: Carina Frey)

Der Text ist in P.M. Fragen & Antworten Ausgabe 08/2020 erschienen.

Warum sagen wir: "Jemandem nicht das Wasser reichen können"?

P.M. Fragen und Antworten
ANZEIGE

P.M. Fragen und Antworten

Schnelles Wissen aus allen Bereichen des Lebens.

Jetzt bestellen