Eine riesenhafte Grünanlage inmitten von Sakai: Die »Schlüssellochgräber« sind das gewaltigste Monument, das je in Japan gebaut wurde

(Text: Manuel Opitz)

Wie ein kleines Stück Wildnis sieht die riesenhafte Grünanlage inmitten der japanischen Metropole Sakai aus: Aus einem Wassergraben ragt eine dicht bewaldete, 35 Meter hoch ansteigende Insel hervor. Was aus der Luft wie ein Schlüsselloch wirkt, ist ein Grab: 486 Meter lang, 305 Meter breit.

Die Anlage ist neben den Pyramiden von Giseh eine der größten Grabstätten der Welt – und das gewaltigste Monument, das je in Japan gebaut wurde. Es handelt sich um die letzte Ruhestätte von Kaiser Nintoku und stammt wohl aus dem 5. Jahrhundert.

Mehr als 160 000 solcher »Kofun« (»alter Grabhügel«) genannten Gräber sind in unterschiedlicher Größe über das Land verteilt. Sie wurden für Kaiser und andere Würdenträger errichtet, als Zeugnisse von Macht und Größe – und als Sinnbilder eines Landes im Umbruch. Denn ab dem dritten nachchristlichen Jahrhundert, als die ersten solchen Anlagen gebaut wurden, entwickelte sich aus einer abgelegenen, rückständigen Inselgruppe langsam das spätere japanische Kaiserreich.

Das grüne Gelände inmitten der Großstadt ist Sperrgebiet

Kleine, zersplitterte Herrschaftsgebiete wuchsen damals kulturell zusammen: Deshalb sind auch die Kofun überall ähnlich gestaltet.

So beschichteten Arbeiter die Grabkammern mit Abertausenden Steinen, eine Art Schutzhülle gegen böse Geister. Und am Rand der Gräber stellten sie kleine Figuren aus ungebranntem Ton auf, die Haniwa, die über die Verstorbenen wachen.

Wer in all den Kofun tatsächlich begraben liegt und sogar wie die herrschaftlichen Grabkammern ausgestaltet sind, ist oftmals bis heute ein Rätsel. Denn das Kaiserliche Hofamt von Japan untersagt die Begehung oder gar Ausgrabung der kaiserlichen Kofun – aus Respekt vor der Totenruhe. Das grüne Gelände inmitten der Großstadt ist Sperrgebiet.

Der Artikel ist in der Ausgabe 06/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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