Die zuverlässigen Winde machen den Gardasee zu einem der besten Surfspots Europas. Insbesondere die Nordspitze des Sees ist im Sommer fest in der Hand der Surfer. Wird das auch zukünftig so bleiben?

Aus Surferkreisen ist zu hören: Die Winde am Gardasee in Italien wehen nicht mehr verlässlich, der Klimawandel ist schuld, bald wird man nicht mehr surfen können. Was ist da dran? Der Gardasee ist berühmt für seine regelmäßigen Winde, er liegt zwischen den Alpen im Norden und der Po-Ebene im Süden. Ab dem frühen Morgen bläst der Pelèr, ein Schönwetter-Nordwind, durch ein Flusstal auf den See. Ab mittags dreht sich die Lage, dann bläst die Ora, ein Südwind, bergaufwärts.

Warum das so ist, kann man sich so erklären: Man stelle sich zwei gleich große Kuben vor, also Würfel. Der eine ist über Berge gestülpt, der andere steht in der Ebene. Der Kubus über den Bergen beinhaltet weit weniger Luft als der in der Ebene, weil eben die Berge Platz wegnehmen. Somit ist im Gebirge weniger Luftmasse zu erwärmen, diese heizt sich tagsüber in der Sonne rascher auf und steigt nach oben. Dadurch entsteht ein Druckunterschied, die Luft aus der Ebene – in diesem Fall über dem flachen Gardasee – wird angezogen und strömt in das entstehende Vakuum nach oben. Das ist der Moment, gegen Mittag, wenn der Wind aus südlicher Richtung einsetzt, bergauf gen Alpen bläst und den Nordwind ablöst. Das Phänomen wird »alpines Pumpen« genannt. Auch auf den bayerischen Seen in Alpennähe ist dies zu spüren, nur genau andersherum: Dort weht der Wind morgens nach Norden ins flache Land und am Nachmittag nach Süden, zu den Alpen hin.

Die Berg- und Talwind-Zirkulation in Gebirgen wird auch als „Alpines Pumpen“ bezeichnet

Surfer wollen nun beobachtet haben, dass es weniger windet am Gardasee. Die naheliegende Begründung: Mit dem Klimawandel wird es in den Bergen oben generell wärmer, der Temperaturunterschied zu der von der Sonne aufgeheizten Luft ist nicht mehr so groß. Sie steigt daher langsamer auf, und deshalb werden die thermischen Winde schwächer. »Dazu gibt es bislang aber keine seriöse wissenschaftliche Aussage«, sagt Christoph Zingerle, Meteorologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Innsbruck.

Zingerle segelt selbst seit 30 Jahren auf dem Gardasee, es habe über all die Jahre immer wieder Tage gegeben, an denen »wenig thermisch ausgeprägte Winde wehten«, aber auch Tage, »wo es super funktioniert«, auch heute noch. Dass der Klimawandel also auf dem glitzernden Gardasee schon zu spüren ist, lässt sich bislang nicht belegen. Weniger stabile Winde könnten auch einfach an einer Phase mit stärkerer Bewölkung liegen, da sich dann die Luft über den Bergen weniger aufheizt.

(Text: Barbara Schaefer)

Der Text ist in P.M. Fragen & Antworten Ausgabe 08/2020 erschienen.

Wie wäre das Klima ohne die Alpen?

P.M. Magazin
ANZEIGE

P.M. Magazin

Spannende Berichte aus Forschung und Technik von heute und morgen.

Jetzt bestellen