CO2 aus der Luft filtern – genau daran arbeiten verschiedene Firmen weltweit. Wie es möglich ist und wie der aktuelle Stand der Dinge ist, lesen Sie hier.

Es ist tatsächlich machbar, CO2 aus der Luft zu lösen. Aber wenn es leicht oder unproblematisch wäre, dann würde diese Technik längst überall eingesetzt, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Hier der Stand der Dinge: »Direct Air Capture« (DAC), so der Fachbegriff fürs Filtern von Kohlendioxid aus der Luft, ist aufwendiger als etwa das Abscheiden des Kohlendioxids direkt am Schornstein von Kraftwerken. Denn in der normalen Luft ist CO2 trotz seiner starken Klimaeffekte nur in geringer Konzentration enthalten, sodass eine DAC-Anlage sehr viel Luft durch einen chemischen Filter ziehen muss, um nennenswerte Mengen CO2 zu isolieren. In einer Pilotanlage der Firma Climeworks in der Schweiz werden auf diese Weise 900 Tonnen des Gases pro Jahr aus der Luft geholt und als Kohlenstoffdünger in einem Gewächshaus eingesetzt – das entspricht etwa dem Ausstoß von 200 Autos. Die für den Prozess nötige Energie wird aus der Abwärme einer Müllverbrennungsanlage gewonnen. Der Forscher David Keith testet in Kanada eine andere Filtertechnologie, mit der er bislang nur geringe Mengen das Gases extrahiert. Sein Team behauptet aber, das System leicht skalieren zu können, sodass es bei Bedarf problemlos eine Million Tonnen CO2 filtern könne. Angesichts einer weltweiten Emission von 37 Gigatonnen pro Jahr ist das nur ein winziger Teil. Aber immerhin.

CO2 hat in seiner Funktion als Treibhausgas eine entscheidende Rolle für unser Klima

Umstritten ist, was mit dem Gas geschehen soll. Es kann ins unterirdische Gestein verpresst werden, zu einer Art Endlagerung. Man kann auch mithilfe von klimaneutral gewonnenem Wasserstoff synthetische Kraftstoffe für Autos daraus herstellen (wobei das CO2 bei deren Betrieb wieder in die Luft geblasen würde). Oder das Gas kann benutzt werden, um aus Erdöl-Lagerstätten die Reste herauszulösen – aus Klimasicht auch nicht optimal. Investitionen aus der Ölindustrie könnten es sein, die der DAC-Technologie zum Durchbruch verhelfen. Bislang ist sie nämlich teuer: Rund 600 Dollar kostet das Ausfiltern einer Tonne CO2 bislang. Climeworks hält aber bald einen Preis von unter 100 Dollar für realistisch. Die Autoren einer Studie im Fachmagazin »Nature« empfehlen, die DAC-Technik stärker bei der Klimapolitik zu berücksichtigen. Sie warnen aber, dass Energie und Materialaufwand dafür enorm sein werden: Um 30 Gigatonnen CO2 aus der Luft zu ziehen (knapp die jährliche globale Emission), wären bis zum Ende des Jahrhunderts weltweit 30 Millionen jener kleinen Anlagen nötig, wie sie in der Schweiz laufen. Klimaforscher Oliver Geden glaubt dennoch, das DAC in der Debatte eine Hauptrolle spielen könnte: »Die Technik ist flexibel einsetzbar und führt zu weniger Konflikten der Landnutzung als viele Alternativen.«

Auf dem Beitragsbild sehen Sie einen Filter für CO2: In einer Testanlage in Kanada extrahiert die Firma CarbonEngeneering das Klimagas mithilfe von Natriumhydroxid-Filtern direkt aus der Luft.

(Text: Jens Schröder)

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