Jeder Mensch lügt mehrmals am Tag, meist aus Höflichkeit, Angst oder Egoismus. Aber lügen wir wirklich so oft wie behauptet – oder ist alles nur eine Lüge?

Die Geschichte vom hundertfachen Lügen hört man immer wieder. Sie beruht jedoch auf einer Verwechslung. In den 1970er-Jahren behauptete der US-Psychologe Jerald Jellison, wir würden jeden Tag 200 Unwahrheiten hören. Die Version mit den 200 erzählten Lügen pro Tag klingt aber irgendwie spannender und ist deshalb kaum totzukriegen. Auch eine zweite Zahl wird in diesem Zusammenhang häufig erwähnt: Angeblich habe eine Studie gezeigt, dass wir bei einem zehnminütigen Gespräch mit Fremden zwei- bis dreimal lügen. Tatsächlich sagten in der erwähnten Studie aber 40 Prozent der Studienteilnehmer durchweg die Wahrheit. Sie logen also nie. Nur ein Bruchteil der Probanden flunkerten »zwei- bis dreimal« während des Gesprächs. Und das nicht ohne Grund: Man hatte ihnen zuvor eingeschärft, sie müssten bei ihrem Gegenüber einen möglichst positiven Eindruck hinterlassen.

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Andere Untersuchungen haben inzwischen ermittelt, dass wir meist nur ein- bis zweimal pro Tag die Unwahrheit sagen. Dieser Befund wurde inzwischen vielfach bestätigt: Die meisten Menschen schummeln zwar regelmäßig, aber immer nur ein bisschen. Nur wenige Menschen lügen wirklich oft. Dazu gehört auch der amtierende US-Präsident Donald Trump. Laut den Faktencheckern der Zeitung »Washington Post« brauchte er lediglich 601 Tage im Amt, um in der Öffentlichkeit 5000 »unwahre oder irreführende« Aussagen zu machen. Seinen persönlichen Rekord erzielte der Präsident dabei am 7. September 2018 – mit 125 Unwahrheiten an einem einzigen Tag. Aber 200 Lügen innerhalb von 24 Stunden? Das schafft noch nicht einmal der Mann im Weißen Haus.

(Text: Jochen Metzger)

Wie lässt sich erkennen, ob jemand lügt? (Teil 1)

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