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Natur

Regionale Dialekte und viel Übung: Das erstaunliche Frühlingskonzert der Vögel

17. Mai
Bird, Animal, Jay

Foto (C): picture alliance / blickwinkel/AGAMI/H. Soerensen

Wenn die Sonnenstrahlen wärmer werden, ist er wieder da, erst zaghaft, dann vielstimmig: der Chor der Vögel. Sie pfeifen, trällern, tirilieren. Doch wie eigentlich? Und warum?

Wie ein Kleinkind das Sprechen von den Eltern lernt, so muss ein Singvogel das Trällern von den Älteren ablauschen. Jede Art pflegt charakteristische Klangfolgen, die mancher Vogel immer wieder neu zu »Liedern« kombiniert und die Ornithologen »Strophen« nennen.

Dabei kann es sich – wie bei dem in Australien heimischen Zebrafink – um eine einzige Strophe handeln, die das Tier sein Leben lang wiederholt. Oder um ein Repertoire von gut fünf (Kohlmeise) oder gar mehr als 2000 Strophen (Rote Spottdrossel).

Die ersten Versuche der Jungvögel ähneln noch dem Brabbeln eines Kleinkinds. Erst mit viel Übung gelingt es ihnen, ihre Muskeln so zu steuern, dass sie die Melodien fehlerfrei zwitschern können. Ganz anders verläuft dies bei den sogenannten Signalrufen, mit denen sich Vögel etwa gegenseitig warnen oder als Jungtiere um Futter betteln. Diese vergleichsweise simplen Klänge sind angeboren und müssen nicht mühsam trainiert werden.

Manche Papageien und Singvögel – etwa Dohlen, Stare und Eichelhäher – behalten die Fähigkeit, sich neue Melodien einzuprägen, bis ins hohe Alter. Dabei lassen sie sich nicht nur von fremden Vögeln, sondern auch von menschengemachten Geräuschen inspirieren, ahmen etwa Glockenläuten oder Telefonklingeln nach. Und bauen so ihr Repertoire immer weiter aus.

Vögel zwitschern in regionalen Dialekten

Wie viele Strophen ein Vogelmännchen beherrscht, hängt vermutlich damit zusammen, wie wählerisch die Weibchen in der Evolution auf die Sangeskünste reagiert haben. Bei den Rohrsängern etwa ist Vielfalt wichtig. Wer mit vielen Strophen aufwartet, erobert die besten Reviere, paart sich eher und bekommt mehr Nachkommen. Auch bei Arten mit kleinerem Repertoire fliegen die Weibchen bevorzugt zu jenen, die vielfältiger und klarer singen als ihre Rivalen. Dabei fallen die Umworbenen keineswegs auf Prahlerei herein. Es ist nicht einfach, vielschichtige Tonfolgen zu trällern – für Weibchen bietet sich dadurch die Chance zu erkennen, wie vital ein Männchen ist. Ein größeres Repertoire oder ein besonders sauberer Vortrag geben zusätzlich Auskunft über den Kandidaten: Ich bin erfahren! Ein etwas älteres Männchen ist etwa geübter in Revierkämpfen und hat Erfahrung bei der Aufzucht der Jungen.

Gesang kann auch verraten, woher ein Vogel stammt. Denn so wie Menschen verschiedene Mundarten sprechen, zwitschern Singvögel auch in Dialekten. Der Regenruf des Buchfinken etwa – den der Vogel bei schlechtem Wetter ausstößt – erklingt in Osnabrück als »huit«, weiter östlich als »wrüd« und im südlichen Schwarzwald als »tititüt«. Auch die Goldammer pflegt lokale Mundarten. Studien haben gezeigt, dass Weibchen sich bevorzugt mit Männchen aus ihrer eigenen Dialektgruppe paaren. Haben sich die Paare im Frühsommer dann gefunden, schwindet die Sangeslust der Männchen. Und so wird es allmählich wieder ruhiger in Wipfeln und Gärten.

Bis zur nächsten Saison.

(Text: Ute Eberle)

Dies ist eine gekürzte Fassung. Der gesamte Artikel ist in der Ausgabe 05/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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