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Was bedeuten die Markierungen an Baumstämmen im Wald?

5. Okt.
Tree, Plant, Birch

Foto: © alenaloginova / Alamy Stock Photo

Auf vielen Stämmen prangen Striche, Punkte, Pfeile – oft in grellen Signalfarben. Das steckt hinter den kryptischen Zeichen:

(Text: Minerva Fois)

Viele Menschen erleben Wälder vor allem als Wander- und Freizeitparadies – da vergisst man gern, dass es in Deutschland fast ausschließlich Nutzwald gibt. Der Wald wird also bewirtschaftet. Eine Ahnung davon bekommt der Sonntagsspaziergänger beim Anblick der Markierungen, die auf vielen Stämmen prangen: Striche, Punkte, Pfeile – weithin sichtbar, oft in grellen Signalfarben ohne Rücksicht auf ästhetische Verluste auf die Rinde gesprüht.

Hinter den kryptischen Zeichen stecken im Wesentlichen zwei Botschaften: Entweder es geht um den markierten Baum selbst – er soll gefällt oder im Gegenteil erhalten werden. Oder es geht um das Gebiet, in dem die markierten Bäume stehen: Mithilfe von Baummarkierungen lassen sich bestimmte Wege und Areale abstecken, wie zum Beispiel die »Rückegassen«. Das sind ausgewiesene Schneisen für Waldarbeiter. Wird ein Baum gefällt, soll er genau dort aus dem Wald gezogen (»gerückt«) werden, damit bei den aufwendigen Arbeiten nicht mehr Schaden angerichtet wird als nötig. Eine Rückegasse erkennt man an roten oder weißen Doppelstrichen an den Bäumen, die die Gasse säumen. Außerdem gibt es noch eine ziemliche Vielfalt an Grenzmarkierungen, meist Kombinationen aus Strichen und Pfeilen.

Markierungen auf Baumstämmen können das Schicksal der Bäume verraten

Den gewöhnlichen Waldspaziergänger dürfte oft eher das Schicksal der Bäume interessieren: Darf ein Baum bleiben – oder steht dort bald nur noch ein trauriger Stumpf? Ein erster (allerdings nicht zwingender) Hinweis ist die Farbe: Bei weißen oder grünen Markierungen heißt es tendenziell »Daumen hoch« für den Baum. Das gilt vor allem für die vielversprechenden »Zukunftsbäume«. Sie sollen in Ruhe wachsen, um später besonders wertvolles Holz zu liefern. Dafür werden sie so mit Sprühfarbe markiert, dass die Markierung nach allen Seiten hin sichtbar ist: Punkte, Kreise oder ein Ring rund um den Stamm. Eventuell wird auch der Buchstabe »Z« oder ein Pluszeichen aufgesprüht.

Auch die sogenannten »Habitatbäume« sollen nach Möglichkeit verschont bleiben: Bäume, in denen zum Beispiel Vögel oder Fledermäuse nisten. Sie bekommen eine weiße oder grüne Wellenlinie, ein »H« oder ein Spechtsymbol. Ein roter Schrägstrich bedeutet hingegen: Dieser Baum ist der Motorsäge geweiht. Manchmal gibt es auch nur einen roten Klecks, um Farbe zu sparen.

Der Artikel ist in der Ausgabe 9/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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