Sprechen Eltern mit ihrem Baby, hebt sich die Stimme, Vokabular und Betonung ändern sich. Ähnliche Effekte lassen sich auch im Tierreich beobachten

Wenn Eltern mit Säuglingen sprechen, verwenden sie oft besonders einfache Ausdrücke wie »Wauwau« oder »Dutzi, dutzi«. Vor allem aber gehört zur Babysprache, dass Mütter und Väter langsamer, betonter und in einer höheren Stimmlage als sonst sprechen. Auch die Klangfarbe ist eine andere. Das machen Eltern quasi automatisch, sie können es fast nicht vermeiden. Und es erfüllt auch seinen Zweck. Denn so lernt der Nachwuchs selbst schneller sprechen. Es steigert seine Aufmerksamkeit und ermöglicht ihm, die einzelnen Worte besser auseinanderzuhalten. 

Gorillas passen Gestik und Mimik an

Das Phänomen ist nicht nur bei Menschen zu finden. Nachgewiesen haben es Forscher des Museums für Naturkunde Berlin kürzlich auch bei Weibchen der Großen Sackflügelfledermaus: Sie verglichen Merkmale in Lautäußerungen der Weibchen gegenüber ihren Jungtieren mit Rufen, die offensichtlich nicht an den Nachwuchs gerichtet waren. Ergebnis: Die Tiere änderten Klangfarbe und Frequenz ihrer Rufe konsequent, wenn die Jungen dabei waren. Was genau der Sinn dieser veränderten Stimmen ist, bleibt unklar. Aber es liegt nahe, dass das Verhalten einem ähnlichen Zweck dient wie beim Menschen. 

Auch Rhesusaffen, Zebrafinken und Wölfe sprechen mit ihren Babys anders als mit ausgewachsenen Artgenossen. Und bei Flachlandgorillas wurden ebenfalls Unterschiede in der Kommunikation gegenüber Jungtieren festgestellt – dort allerdings in der lautlosen Kommunikation, also Gestik und Mimik. 

(Autor: Jan Berndorff)

Der Artikel ist in der Ausgabe 03/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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