Zeitweilig war Frauenfußball verboten und galt als moralisch verwerflich. Auch heute noch kämpft die Sportart in vielen Ländern um gesellschaftliche Anerkennung.

Eine Engländerin mit dem schönen Namen Nettie Honeyball (der möglicherweise ein Pseudonym war) gründete 1894 die erste weibliche »Mann«schaft. Ihre »British Ladies« lockten bereits im darauffolgenden Jahr 10 000 zahlende Zuschauer an – sie sollen jedoch eher an den Frauen als am Spiel interessiert gewesen sein. Das Kickerglück währte aber nicht lang, denn im Jahr 1902 verbot der englische Fußballverband Spiele gegen weibliche Mannschaften.

Im Ersten Weltkrieg waren die Fußballerinnen dagegen zur Ablenkung und Unterhaltung hochwillkommen: Gespielt wurde in gemischten Teams, Frauen gegen Männer, zuweilen auch in Theaterkostümen. Ein erneutes Verbot kam 1921: Dieser Sport sei für Frauen zu roh.

Wenig Gegner auf dem Platz – viele Gegner in der Gesellschaft

In Deutschland gründete sich der erste Frauenfußballklub 1930 in Frankfurt. Mangels Gegnerinnen auf dem Platz und wegen zu vieler Gegner in der Gesellschaft löste er sich nach nur einem Jahr wieder auf. Nach dem WM-Sieg der Männer in Bern gelang dann 1954 der Neustart: Vor allem die Ehefrauen von Vereinsmitgliedern entdeckten das Kicken für sich.

Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden, und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.

Deutscher Fußball-Bund, 1955

Dem Deutschen Fußball-Bund gefiel das gar nicht; er sprach 1955 ein Verbot aus: »Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden, und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.« Vereinen wurde untersagt, ihre Plätze Frauen zur Verfügung zu stellen.

Das DFB-Verbot wurde erst 1970 aufgehoben

Schon 1953 hatte der holländische Sportmediziner, Psychologe und Anthropologe Fred J. J. Buytendijk eine Studie vorgelegt, der zufolge Fußballspielen eine Demonstration der Männlichkeit sei – und Frauen wegen ihres Geschlechts und charakterlich dafür nicht geeignet: »Das Treten ist wohl spezifisch männlich, ob darum Getretenwerden weiblich ist, lasse ich dahingestellt. Jedenfalls ist das Nicht-Treten weiblich!«

Trotz DFB-Verbots gründeten sich in den 1960er-Jahren zahlreiche Frauenfußballvereine. Aus Angst, sie könnten sich in einem eigenen Verband organisieren, hob der DFB sein Verbot Ende Oktober 1970 wieder auf. Allerdings nur unter Auflagen: So durften Frauen im Winter gar nicht, ansonsten nur bei gutem Wetter und nicht länger als zweimal 30 Minuten spielen – und das nicht mit Stollenschuhen. Diese Einschränkungen fielen mit der Zeit. Eine Spielzeit von 90 Minuten wurde erst 1993 erlaubt, elf Jahre nach Gründung der Frauennationalmannschaft in der Bundesrepublik.

Weltmeistertitel für die deutschen Fußballfrauen

Im Jahr 2003 holten die deutschen Fußballfrauen dann erstmals den Weltmeistertitel, diesen Triumph wiederholten sie 2007. Dazu sind sie achtmalige Europameisterinnen und wurden 2016 Olympiasiegerinnen. Amtierender Weltmeister im Frauenfußball sind die USA. Auch die DDR hatte eine Fußball-Nationalmannschaft der Frauen, sie bestritt allerdings nur ein einziges Spiel, am 9. Mai 1990 gegen die Tschechoslowakei (0 : 3).

(Text: Christine Schulz-Reiss)

Der Artikel ist in der Ausgabe 10/2020 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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