Unsere intuitive Logik: Wer Dinge gern alleine macht, ist als Mensch besonders unabhängig und denkt deshalb auch häufiger »out of the box«. Doch was ist dran an diesem Alltagsglauben?

(Text: Jochen Metzger)

Fest steht jedenfalls: Wir glauben, dass sie kreativer sind. Das haben jetzt Forschende von der Cornell University herausgefunden. Sie drückten ihren Probanden schriftliche Auszüge aus einem Bewerbungsgespräch in die Hand. Alle bekamen denselben Text vorgelegt – aber mit einem kleinen Unterschied.

In der einen Hälfte erzählte der Bewerber, am liebsten alleine Golf zu spielen und auch in den Ferien am liebsten solo zu verreisen. In der anderen Hälfte der Texte gab dieselbe Person an, stets mit den Kumpels zu golfen und zu verreisen. Dieses winzige Detail führte dazu, dass der Bewerber ganz anders bewertet wurde: Die Probanden glaubten, der »einsame Wolf« würde im Job mehr kreative Einfälle haben als der gesellige Bewerber. Unsere intuitive Logik dahinter: Wer Dinge gern alleine macht, ist als Mensch besonders unabhängig und denkt deshalb auch häufiger »out of the box«. Doch was ist dran an diesem Alltagsglauben? Kommt ganz darauf an. Viele Kreative verbringen tatsächlich gern Zeit für sich. Andererseits sind Kreative oft auch gut darin, sich in ihre Mitmenschen hineinzuversetzen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Auch wichtig: Unfreiwillige Einsamkeit scheint unserer Kreativität eher zu schaden.

Fazit: Wir halten Außenseiter für kreativer, und manchmal liegen wir damit auch richtig. Außenseiter, die unter ihrer Einsamkeit leiden, sind aber vermutlich eher weniger kreativ.

Der Artikel ist in der Ausgabe 08/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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