Eine Metastudie aus Norwegen hat sich der Frage gewidmet, viele Studien zusammengefasst und eine Reihe von Fehlern und Ungereimtheiten entdeckt

Fest steht, dass es sich bei der Bilingualität um ein seltsames Phänomen handelt. Wo sonst können wir erleben, dass Drei- oder Vierjährige etwas spielend beherrschen, wofür andere zehn Jahre Schule benötigen – und ein von darbenden Eltern teuer bezahltes Auslandssemester obendrein?

Eine Metastudie aus Norwegen hat sich jetzt der Frage gewidmet: Lernen Kinder mit der Zweisprachigkeit vielleicht noch etwas anderes? Kapieren sie Dinge schneller als andere? Kurz: Sind sie schlauer als der Rest der Menschheit?

Die Unterschiede sind kaum noch messbar

»Die Hypothese, dass bilinguale Kinder kognitiv im Vorteil sind, wurde sowohl in der Gesellschaft als auch in der Forschung als wahr akzeptiert«, schreiben die norwegischen Autoren. Tatsächlich hatten eine Reihe von Studien in der Vergangenheit Unterschiede festgestellt. Die Ergebnisse legten nahe, dass bilinguale Kinder geistig besonders gut organisiert sind – schließlich müssen sie ständig zwischen zwei Sprachen wechseln. Sie sind, so schien es, aufmerksamer, können gut zwischen Aufgaben hin- und herspringen und haben ein starkes Kurzzeitgedächtnis.

Die Metaanalyse aus Norwegen hat viele dieser Studien jetzt zusammengefasst und neu ausgewertet. Dabei entdeckten die Autoren eine Reihe von Fehlern und Ungereimtheiten. Korrigiert man diese mit statistischen Mitteln, bleibt von der höheren Organisiertheit zweisprachiger Kinder nahezu nichts übrig; die Unterschiede sind kaum noch messbar.

(Text: Jochen Metzger)

Der Artikel ist in der Ausgabe 05/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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