Eltern sprechen mit ihren Kleinkindern oft überdeutlich, überbetont und langsam. Auf ein »Gutzi Gutzi« folgt meist ein gut gelauntes Glucksen und Brabbeln vom Baby.

Es gab Zeiten, in denen Eltern dazu angehalten wurden, mit ihren Babys wie mit Erwachsenen zu sprechen. Zum Glück haben sie sich widersetzt – oder es schlicht nicht geschafft. Denn sobald wir mit einem Baby Kontakt aufnehmen, fallen wir automatisch in einen Singsang. Wissenschaftler sprechen von kindgerichteter Sprache. Und der kann sich fast niemand entziehen: Selbst kleine Kinder sprechen mit Babys besonders betont. Aber warum ist das so? Weil Babys vor allem dann lächeln, glucksen, hingucken.

Bei nüchterner Erwachsenensprache verlieren sie schnell das Interesse. Also gehorchen die Großen überall auf der Welt. Chinesen, Amerikaner, Japaner – sie alle haben eine bestimmte Form von Babysprache entwickelt, die sich an den Eigenschaften der jeweiligen Sprache orientiert. Chinesen betonen im Kantonesischen vor allem die Tonhöhen, Japaner heben besonders den Sprachrhythmus hervor, Amerikaner verändern die Satzmelodie stark.

Babysprache hilft beim Sprechen lernen

Das hilft den Kindern, dem Redefluss eine Struktur zu geben, einzelne Wörter zu erkennen, Satzgrenzen wahrzunehmen – kurz: ihre Sprache zu erlernen. Babysprache ist nämlich – anders, als man denkt – keine wirre Aneinanderreihung von Koseworten. Tatsächlich folgt sie klaren Mustern. Typisch sind viele Wiederholungen, deutliche Betonungen und Pausen. Die Sätze sind zwar kürzer, aber grammatisch korrekt. Da macht es auch nichts, wenn sich zwischendurch Begriffe wie »Wauwau« einschleichen. Babys hören aufmerksam zu und lernen schnell, dass Wauwau, Hund und Bella das gleiche haarige Wesen meint.

(Text: Carina Frey)

Der Artikel ist in der Ausgabe 11/2020 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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