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Eine Nacht tief im Innern einer Riesenhöhle verbringen – wo geht das?

27. Dez.

Foto: © Frank Heuer/laif

Ein Traum für Trekkingabenteurerinnen und -abenteurer: In dieser Riesenhöhle können Besucherinnen und Besucher übernachten

(Text: Christian Haas)

Das Hölloch im Zentralschweizer Muotatal ist das größte Höhlensystem Westeuropas und das achtgrößte der Welt. 207 Kilometer begehbare Gänge ergab die jüngste Vermessung 2020. Die machen das Hölloch natürlich zu einer Pilgerstätte für Höhlenforscher weltweit. Zumal in seinen Gängen schon 56 Tierarten nachgewiesen wurden. Doch das über Jahrhunderttausende durch Sickerwasser im Karstgestein entstandene Röhrennetz ermöglicht nicht nur Höhlenforscherinnen und -forschern tiefe Einblicke in eine dunkle, unbekannte Welt, sondern auch Trekkingabenteurerinnen und -abenteurern.

Es gibt geführte Touren bis tief ins Höhlensystem. Sie führen durch unterirdische Wasserfälle und über Spalten, die nur per Seil zu überwinden sind. Und als besonderes Highlight und in dieser Form einmalig können die Besucherinnen und Besucher bei einer speziellen Tour auch mitten in der Höhle übernachten.

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Zur Biwakstelle braucht es mehrere Stunden

Übernachtungen finden bei anderen Höhlentouren in der Regel nahe einem Ausgang statt – einfach weil dies sicherer ist und der Ausweg im Notfall nicht weit. Anders im Hölloch: Um zu der dauerhaft eingerichteten Biwakstelle zu gelangen, dringen die Teilnehmenden mehrere Stunden in den Berg ein. Dabei überqueren sie einen See per Gummiboot, bezwingen eine 40 Meter hohe Wand via Eisenleiter, schieben sich samt Rucksack durch Spalten und wandern respektive klettern kilometerweit durch felsiges Terrain. Der Lohn ist ein überraschend komfortables Nachtquartier, dessen Aufenthaltsbereich sich samt Esstisch von Karbonitlampen erhellen lässt und in dessen XXL-Lager bis zu 15 Leute ihren Schlafsack ausrollen können. Benzinkocher stehen zum Tee- und Kaffeekochen bereit, Wein und Rechauds fürs mitgebrachte Käsefondue. In einer Kochecke ist Platz zum Brotzeitrichten sowie zum Abspülen – mit trinkbarem Felswasser.

Wer sich so tief in einer Höhle befindet, kann auch schon mal von der Außenwelt abgeschnitten werden. Dies passierte Anfang 2018 einer Gruppe, als starke Regenfälle Teile der Höhle fluteten und der Rückweg somit versperrt war. Sechs Tage mussten die Abenteurer unter Tage ausharren, bis der Weg wieder frei war. Dank der üppigen Vorräte konnten sie durchhalten.

Der Artikel ist in der Ausgabe 12/2021 von P.M. Schneller Schlau erschienen.

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