Spinnenseide ist, bezogen auf ihre Masse, viermal so belastbar wie Stahl und kann um das Dreifache ihrer Länge gedehnt werden, ohne zu reißen. Doch was macht sie noch so einzigartig?

Spinnenseide ist nicht nur unglaublich reißfest. Sie hat auch die erstaunliche Fähigkeit, sich gegen Verdrehungen zu wehren. Anders als ein Bergsteiger, der manchmal hilflos an seinem Kletterseil hängt und sich um die eigene Achse hin- und zurückdreht, bleiben Spinnen an ihren Fäden auch bei einem Windstoß meistens recht stabil hängen. So können sie regungslos verharren und auf Beute lauern.

Ein Spinnennetz dient vorwiegend dem Beutefang

Was die Spinnenseide so drehresistent macht, haben kürzlich chinesische und britische Forscher gemeinsam untersucht: Sie besteht im Kern aus sogenannten Fibrillen, umhüllt von einer Art Haut. Jede Fibrille ist aus blattartigen Segmenten aufgebaut, die über Wasserstoffbrücken miteinander verbunden sind. Die Segmente sind elastisch und wollen, wenn sie sich verdrehen, in ihre ursprüngliche Form zurückstreben. So bleibt die grundsätzliche Form des Seidenstrangs erhalten. Die sie verbindenden Wasserstoffbrücken sind hingegen beliebig verformbar. Sie schlucken quasi den aufgebauten Drehimpuls und sorgen dafür, dass die Seide sich insgesamt nicht wieder in ihre ursprüngliche Ausrichtung drehen muss. Das verschraubte Spinnenseil nimmt einfach eine neue Form an, ohne an Stabilität einzubüßen. Die Forscher wollen diesen Vorgang auf der molekularen Ebene noch genauer erforschen. Vielleicht lasse sich das natürliche Vorbild für neuartige Helikopter-Rettungsleitern oder Fallschirmschnüre nutzen.

(Text: Jan Berndorff)

Wenn Sie noch mehr über Spinnenseide und ihre wundheilende Wirkung erfahren wollen, lesen Sie auch P.M. Magazin Ausgabe 6/2020.

Wie groß ist das größte Spinnennetz der Welt?

P.M. Magazin
ANZEIGE

P.M. Magazin

Spannende Berichte aus Forschung und Technik von heute und morgen.

Jetzt bestellen