Ein großer Teil der damals bekannten Welt gehörte ihnen einst, den Römern (abgesehen von einem kleinen Dorf in Gallien. Aber das ist eine andere Geschichte…). Doch Irland eroberten sie nicht.

Den gesamten Mittelmeerraum inklusive Vorderasien und Nordafrika, dazu Süd- und Westeuropa bis zu den Britischen Inseln – im Umkreis von Tausenden Kilometern um ihre Hauptstadt Rom hatten die Römer wirklich alles unterworfen, was es zu erobern gab. Dazu gehörte in Wahrheit auch ganz Gallien inklusive wirklich aller Dörfer. Es gibt also keine historische Vorlage zu dem berühmten keltischen Dorf von Asterix und Obelix in der heutigen Bretagne, das den Römern dauerhaft trotzte. Und doch gab es etwas weiter nördlich ein Inselreich, das die Römer tatsächlich nie eroberten: Irland. Waren etwa die Iren so wehrhaft, dass sich niemand dort hintraute? Keineswegs, sagt der Althistoriker Patrick Reinhard, der sich mit diesem Thema ausführlich beschäftigt hat. »Die Römer waren definitiv auf der Insel. Und wie an jeder anderen Grenze ihres Reiches untersuchten sie auch hier genau Land und Leute, wägten die ökonomischen, militärischen und politischen Vorteile einer Eroberung ab.« Auch intensiven Handel betrieben sie. Archäologen gruben auf Irland zahlreiche römische Artefakte aus.

Gab es geheime Pläne für die Eroberung?

Allerdings kamen die Römer bei Irland unter dem Strich zu dem Ergebnis, dass eine Eroberung wegen ein paar Schafen nicht lohne. Es gab dort nichts Kostbares zu holen. Außerdem die geostrategische Lage: Inseln waren aufwendig zu erobern, umgekehrt stellte das Volk der Iren durch die isolierte Lage keine militärische Bedrohung dar. Zwar gab es Pläne, wie man die Insel erobern könnte, festgehalten von den Geschichtsschreibern Juvenal und Tacitus im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. Doch davon wurde aufgrund einer nüchternen Kosten-Nutzen-Rechnung abgesehen, das ist aus den Briefen Ciceros ersichtlich. Auch das Gebiet des heutigen Schottlands nördlich der römischen Provinz Britannia ließ man links liegen. Britannia hatte Kaiser Claudius um 50 n. Chr. in einem aufwendigen Feldzug erobert. Wahrscheinlich aber ebenfalls nicht aus ökonomischen oder geostrategischen Erwägungen heraus, sondern weil er so sein Ansehen in Rom steigern wollte.

(Text: Jan Berndorff)

Mehr zur Geschichte Irlands können Sie in P.M. History Ausgabe 04/2020 nachlesen.

Sind Alpakas die besseren Schafe?

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