Blondinen sind dumm, Schwaben sind geizig, Frauen können nicht einparken, Männer hören nicht zu. Alles klassische Vorurteile, doch sie beeinflussen unser Denken und Handeln.

Wer Menschen anderer Herkunft weniger voreingenommen begegnen will, kann etwas dagegen tun. Zum Beispiel: Zeit mit ihnen verbringen, um sie besser kennenzulernen. Diese »Kontakthypothese« klingt vielversprechend und wurde schon vielfach wissenschaftlich überprüft. Doch leider kommt es »manchmal sogar zu einem gegenteiligen Effekt«, sagt der Psychologe Detlef Fetchenhauer von der Universität Köln. Stereotype werden dann durch den direkten Umgang noch zusätzlich verstärkt, also auch negative Annahmen. Psychologen machen dafür einen bekannten Effekt verantwortlich, den »Bestätigungsfehler«. Er besagt: Wenn wir einmal etwas glauben, lassen wir uns nur schwer wieder davon abbringen. Wir ignorieren Fakten, die unserer Meinung widersprechen – und merken uns nur jene Momente, die uns bestätigen.

Schublade auf, Meinung rein, Schublade zu

Negative Vorurteile gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen wirken sogar bei jenen Menschen, die selbst davon direkt betroffen sind. So erzielen ältere Menschen bei Denkaufgaben schwächere Ergebnisse, wenn man sie vorher daran erinnert, dass sie alt sind. Sie glauben offenbar daran, dass das Gehirn im Alter nachlässt – der Glaube wirkt als selbsterfüllende Prophezeiung. Warum aber halten Vorurteile sich so hartnäckig? Der Psychologe Neil Macrae vermutete schon vor 25 Jahren: weil sie uns Vorteile bringen. Sie machen die Welt einfacher, führen also dazu, dass wir weniger denken müssen. Das ist nützlich, denn das Denken kostet viel Energie. Vorurteile sind also in gewisser Weise praktisch. Deshalb ist es so schwer, sie wieder loszuwerden. Der Annahme von Neil Macrae folgen inzwischen viele Experten.

(Text: Jochen Metzger)

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