Eine Fackel züngelt hierhin und dorthin – wer sich bei Entscheidungen genauso verhält, „fackelt“. Woher kommt die Redewendung und was bedeutet sie noch?

Das inzwischen vergessene Verb »fackeln« (mittelhochdeutsch vackelen) meinte früher in erster Linie »brennen wie eine Fackel«, aber auch »sich unruhig hin und her bewegen wie die Flamme einer Fackel«. In alten Wörterbüchern wird auch »scherzen« als eine weitere Bedeutung angegeben.

Wer schnell handelt, fackelt nicht lange

Später drückte das Wort auch unstetes oder unruhiges Handeln eines Menschen aus und konnte als Synonym für »zweifeln« oder »zaudern« verwendet werden. Jemand »werde nicht fackeln, ihm das Lebenslicht auszublasen«, gibt das Grimmsche Wörterbuch im Jahr 1854 als Beispielsatz an. Auch als lyrischer Ausdruck erscheint das Wort, zum Beispiel in Goethes Ballade »Die wandelnde Glocke« (1813). In dieser wird ein Kind, weil es nie zur Kirche gehen mag, von einer riesigen Glocke verfolgt. Goethe dichtet: »Die Glocke, Glocke tönt nicht mehr, / die Mutter hat gefackelt. / Doch welch ein Schrecken! Hinterher / die Glocke kommt gewackelt.«

(Text: Sven Stillich)

Der Text ist in P.M. Fragen & Antworten Ausgabe 09/2020 erschienen.

Warum sagen wir: "Kopf in den Sand stecken"?

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