Ferien, Nachrichtenflaute, Bundesliga-Pause: Den Hochsommer bezeichnet man oft als „Saure-Gurken-Zeit“. Aber: Geht es dabei überhaupt im Eingemachtes?

Wenn nichts, aber auch gar nichts los ist, kulturelle Stätten wie Theater pausieren und Geschäfte wenig Umsätze machen, wenn Ferien sind oder es kaum neue Nachrichten gibt – dann ist die berüchtigte »Saure-Gurken-Zeit«. Normalerweise meint die Redewendung natürlich den Hochsommer, aber seit der Coronakrise trifft sie für viele Branchen auch in anderen Jahreszeiten zu.

Der Begriff tauchte erstmals im 18. Jahrhundert auf. Woher er kommt, ist umstritten. Es gibt dazu mehrere Theorien: Einer zufolge geht er darauf zurück, dass Lebensmittel früher sauer eingelegt wurden, um sie länger haltbar zu machen. Wenn im kargen Winter wenig Nahrungsmittel zur Verfügung standen, konnte man unter anderem auf sauer eingelegte Gurken zurückgreifen. Demnach wäre die »Saure-Gurken-Zeit« also ein Zeitraum, in dem man auf viele Annehmlichkeiten verzichten musste.

Die Verballhornung eines jiddischen Begriffs

Eine andere Vermutung: Die berühmten Spreewaldgurken kamen in Berlin meist im Spätsommer frisch eingelegt auf den Markt, also genau zu einer Zeit, in der die Geschäfte ferienbedingt in der Regel nicht sonderlich gut liefen.

Die wohl wissenschaftlichste Erklärung: Die Bezeichnung könnte auf die jiddische Sprache zurückgehen, in der das Begriffspaar »zohro joker« für »schweres Unglück« steht. Bei miserabler Geschäftslage und hoher Inflation sprachen jüdische Kaufleute sorgenvoll von der »Zóres- und Jókresszeit«, der »Zeit der Not und Teuerung«. Aus dem Begriffspaar formulierten Berliner Journalisten dann flapsig die »saure Jurke«, wobei sie aus dem Wort »Zóres« kurzerhand »Saures« machten. 

(Text: Manuel Opitz)

Warum sagen wir "etwas ausgefressen haben"?

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