Durch den gezielten Aufbau von Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer vor einem operativen Eingriff hat man meist weniger post-operative Symptome

Nach vielen Operationen, zum Beispiel an der Hüfte oder am Knie, folgt ein längerer Aufenthalt in einer Rehaklinik. Die Patienten nehmen sich dann ein paar Wochen Zeit, um nach einem Eingriff wieder richtig auf die Beine zu kommen, zur Rehabilitation. Was aber ist mit der Zeit vor der Operation? Kann man sich auf einen Eingriff vorbereiten? Denn viele Patienten, gerade im höheren Alter, bringen eine Reihe an Grunderkrankungen mit oder haben ein untrainiertes Herzkreislaufsystem und wenige Muskeln.

Gerade bei Patienten mit hohem Risiko für Komplikationen lohnt es sich, sie auf ihre Operation vorzubereiten.

Ines Gockel, Direktorin der Klinik für Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig

Und nicht immer muss sofort operiert werden, das gilt auch für bestimmte Krebserkrankungen. Prähabilitation nennt sich das Konzept, das manche Ärzte in Deutschland seit Kurzem anwenden. Dazu kann ein Fitnessprogramm oder eine Umstellung der Ernährung gehören. »Gerade bei Patienten mit hohem Risiko für Komplikationen lohnt es sich, sie auf ihre Operation vorzubereiten«, sagt Ines Gockel, Direktorin der Klinik für Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. Patienten mit Krebserkrankungen des Magens etwa und des Dickdarms, der Leber oder der Speiseröhre. Was einleuchtend klingt, ist wissenschaftlich allerdings noch nicht gut untersucht. Ein Überblick über Studien ergab immerhin, dass körperlich leistungsschwache Patienten mit einer Krebserkrankung des Magens oder der Speiseröhre nach einer Operation deutlich öfter an Komplikationen wie etwa einer Lungenentzündung erkrankten als andere.

Prähabilitation zielt drauf ab, die Nebenwirkungen medizinischer oder chirurgischer Eingriffe zu dämpfen

Und in einer Studie mit einem individuell zugeschnittenen Programm für Patienten vor einer großen Bauch-OP stellten spanische Wissenschaftler fest, dass sich nicht nur deren Leistungsfähigkeit besserte. Im Vergleich zur Kontrollgruppe erlitten die Probanden nur halb so viele Komplikationen nach der Operation, etwa eine Infektion oder Herzkreislaufstörungen: 62 Prozent der Patienten in der Kontrollgruppe hatten mindestens eine Komplikation, in der Gruppe mit Prähabilitation nur 31 Prozent. An den Universitätskliniken Leipzig und Mainz läuft derzeit eine Studie, in der Patienten mit einer Krebserkrankung der Speiseröhre zu Hause mit einem Online-Trainingsprogramm ihre Leistungsfähigkeit vor ihrer Operation steigern sollen. Sie trainieren über einige Wochen ihre Kraft und ihre Ausdauer, auch erhalten sie eine eiweißreiche Ernährung. Sollte sich das Heimtraining bewähren, wäre das ein großer Fortschritt für schwer kranke Patienten, die operiert werden müssen.

(Text: Astrid Viciano)

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