Das größte Säugetier der Welt ist der Blauwal. Es gibt Exemplare, die mehr als 30 Meter groß sind. Forscher wollen mehr über die Giganten wissen – und suchen dabei an ungewöhnlichen Stellen.

Um das Alter eines verendeten Wals zu bestimmen, greifen Meeresbiologen gern auf eine scheinbar etwas eklige Methode zurück: Sie entnehmen dem Tier seinen Ohrenschmalz, der jeweils in Form eines länglichen Pfropfens aus Lipiden, Keratin und Wachs hinter den Ohrlöchern den Gehörgang verstopft. Er schirmt die Hörorgane vom Wasser ab und schützt vor Druckschwankungen beim Tauchen. In jedem Lebensjahr bildet der Pfropfen eine neue Schicht – wie ein Baum seine Jahresringe. Wale können über 100 Jahre alt werden. Den Rekord hält ein Grönlandwal, den Walfänger vor 20 Jahren erlegten: Er war 211 Jahre alt. Doch der Ohrstöpsel, der bei Blauwalen schon mal bis zu 25 Zentimeter lang sein kann, verrät mehr als nur das Alter.

Stress: Nicht nur Menschen, sondern auch Wale leiden darunter

Foto (C): TRUMBLE et al

Vergangenes Jahr zum Beispiel haben US-Forscher den Gehalt des Stresshormons Cortisol untersucht. Dazu analysierten sie Ohrpfropfen von 20 Blau-, Finn- und Buckelwalen aus Pazifik und Atlantik. Die Studie zeigte: Der Zweite Weltkrieg mit seinen Seeschlachten und Detonationen unter Wasser hatte zu erhöhten Hormonkonzentrationen geführt. Doch noch stressiger waren offenbar die 1960er-Jahre, als die Waljagd ihren Höhepunkt erlebte: Dort zeigen die Cortisolwerte ihr Maximum. Als die Jagd ab Mitte der 70er-Jahre wieder nachließ, weil kaum mehr Wale da waren, und sie in den 80er-Jahren verboten wurde, sanken die Werte auf die niedrigsten der untersuchten Zeit. Inzwischen steigen sie wieder, vermutlich weil Lärm und Verschmutzung im Meer zunehmen – zudem vielleicht wegen der steigenden Wassertemperaturen.

(Text: Jan Berndorff)

Warum wechseln manche Tiere ihr Geschlecht?

P.M. Magazin
ANZEIGE

P.M. Magazin

Spannende Berichte aus Forschung und Technik von heute und morgen.

Jetzt bestellen