Geisterschiffe werden verlassen aufgefunden oder unter mysteriösen Umständen gesichtet. Von der Mannschaft keine Spur. Was hat es damit auf sich?

Seit Jahrhunderten kursieren schaurige Geschichten über führerlos umhertreibende Schiffe. Etwa die des deutschen Schoners »Seeschwalbe«, der 1921 in der Ostsee sank und eine Woche später hundert Kilometer entfernt an der Kurischen Nehrung wiederauftauchte.

Guter Stoff für Seemannsgarn

Doch, wie meistens, gibt es eine Erklärung. Der mit Holz beladene Zweimaster sank vor den Augen der Mannschaft, die sich in Sicherheit bringen konnte. Aber die lädierte »Seeschwalbe« blieb nicht auf dem Grund liegen. Eine Untersuchung des Wracks ergab, dass der Holzrumpf des Schoners brach, als er auf den Meeresboden krachte. Dabei fiel der damals übliche Steinballast aus dem Bauch des Segelschiffes. Das verschaffte ihm genug Auftrieb, um wieder an die Wasseroberfläche zu gelangen. Trotzdem bleibt es bemerkenswert, wie das arg ramponierte Schiff seine hundert Kilometer lange Geisterfahrt zurücklegen konnte.

Eine Fata Morgana auf See

Historische Schilderungen von herrenlosen Schiffen lassen sich auch oft mit der Pest oder der Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut an Bord erklären. Die Krankheiten waren für eine Mannschaft auf hoher See das sichere Todesurteil. Tote wurden dann einer nach dem anderen über Bord geworfen, bis der letzte Mann verstarb. Nicht selten stießen andere Seefahrer dann auf menschenleere Schiffe. Auch physikalische Erklärungen können das Phänomen der Geisterschiffe erhellen. Erscheinen Schiffe nämlich plötzlich wie aus dem Nichts und verschwinden wieder, können Lichtbrechungen über dem Wasser verantwortlich sein. Eine Fata Morgana auf See, durch die weit entfernt fahrende Schiffe nah erscheinen.

Immer wieder hört man auch heute noch davon, dass Schiffe spurlos verschwinden – und dann ohne Besatzung wiederauftauchen. Etwa, wenn sie von einer Monsterwelle (»Freakwave«) verschlungen werden, die sich bis zu 30 Meter hoch aufbäumen kann. Dann rächen sich Fehler in der Konstruktion und schlechte Wartung. Mitunter ist aber auch ein geschickt eingefädelter Versicherungsbetrug des Rätsels Lösung.

(Text: Christiane Löll)

Der Artikel ist in der Ausgabe 10/2020 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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