Ein Kulturgut ist als Bestandteil der Geschichte einer Nation ein lebendiger Teil der Gesellschaft oder des kulturellen Gedächtnisses. Dank der Haager Konvention sind diese Orte im Kriegsfall tabu. Welcher Ort ist das in Deutschland?

Die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten sagt seit 1954: Orte, die unter kulturellem Sonderschutz stehen, sind im Kriegsfall tabu für alle Parteien. Sowohl der Aggressor als auch der Widerstand sind dazu verpflichtet, das Kulturgut zu sichern und zu erhalten. Die Vatikanstadt etwa unterliegt diesem Schutz, dazu einige prähistorische Stätten in Mexiko.

Ein Superarchiv in 200 Metern Tiefe

Der einzige Ort, der in Deutschland unter diesem Sonderschutz steht, ist der »Barbarastollen«. Das ist ein Teil eines ehemaligen Silberbergwerks in der Nähe von Freiburg. In der Nähe der Gemeinde Oberried, am Fuße des Bergs Schauinsland lagern Mikrofilmaufnahmen von Dokumenten mit größter kultureller oder historischer Bedeutung.

Das Superarchiv liegt 200 Meter unter Tage. Es beherbergt mittelalterliche Texte wie die Krönungsurkunde Ottos des Großen, der ab 962 römisch-deutscher Kaiser war, und berühmte Handschriften wie die von Johann Sebastian Bach, die Baupläne des Kölner Doms, den Vertragstext des Westfälischen Friedens oder die Ernennungsurkunde von Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dazu kommen Tausende archivierte Fotos und Filmaufnahmen.

Lagerstätte für mehr als eine Milliarde Mikrofilm-Aufnahmen

Der Stollen ist das größte Archiv zur Langzeitarchivierung in Europa. 1975 wurden die ersten Mikrofilme in luftdichten Behältnissen eingelagert. Am 3. Oktober 2016 kamen als milliardste Aufnahme die Originaldokumente der ersten Fassung des Grundgesetzes aus dem Jahr 1949 hinzu, mit den Unterschriften der Mitglieder des Parlamentarischen Rates unter Vorsitz von Konrad Adenauer.

Jedes Jahr wächst das Archiv um bis zu 40 Millionen Aufnahmen. Im Barbarastollen herrscht konstant eine Temperatur von rund 10 Grad Celsius und eine relative Luftfeuchte von 35 Prozent. Benannt wurde der Stollen nach der heiligen Barbara von Nikomedien, der Schutzpatronin der Bergleute.

(Text: Sven Stillich)

Der Artikel ist in der Ausgabe 10/2020 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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