Ein unscheinbares Online-Spiel ist in Japan der absolute Renner: Es lässt den Menschen fast immer gewinnen – und ist deshalb besonders beliebt.

Gespielt wird eine virtuelle Version von »Othello« (fast identisch auch unter dem Namen »Reversi« bekannt). Die Regeln des Spiels sind einfach: Die Kontrahenten legen abwechselnd Spielsteine mit einer schwarzen und einer weißen Seite auf eine Fläche mit 64 Feldern. Umschließen die Steine einer Farbe einen gegnerischen Stein, darf man ihn umdrehen. Gewonnen hat, wer am Ende möglichst viele Felder erobert hat – was beim »Weakest AI Othello«, dem »Othello mit der schwächsten künstlichen Intelligenz«, auch unerfahrenen Spielern mühelos gelingt.

Eine Niederlage wird als Erfolg ausgewertet

Entwickelt wurde der Verlierer-Algorithmus von Takuma Yoshida. Er ist Programmierer beim Computerkonzern Avilen. Im Netz ist das Spiel bereits seit 2016, doch erst im August 2019 wurde die »schwache« Version veröffentlicht. Innerhalb weniger Monate hatten 400 000 Menschen ihr Glück versucht und bereits rund 1,29 Millionen Mal gewonnen. Das Programm endet zuverlässig mit weniger Steinen, weil es eine Niederlage als Erfolg auswertet.

Da autonome Technik immer besser wird, sind manche Menschen besorgt, dass die Maschinen irgendwann nicht mehr kontrolliert werden können. »Genau deshalb finden viele es umso beruhigender, gegen eine künstliche Intelligenz zu gewinnen«, sagt Yoshida. Sein kostenloses Online-Othello ist zwar nur auf Japanisch verfügbar, doch wer die Regeln kennt, kann es hier kostenlos ausprobieren.

(Text: Tino Falke)

Der Artikel ist in der Ausgabe 11/2020 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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