Optimist oder Pessimist? Die Lebenseinstellung beeinflusst, ob man in Pandemie-Zeiten Mehl, Nudeln und Klopapier hortet.

Als die Corona-Pandemie sich auszubreiten begann, leerten sich in manchen Supermärkten die Regale: Einige Kunden hatten so viel Toilettenpapier, Mehl oder Nudeln gehamstert, dass für andere nichts übrig blieb. Wer macht so etwas? Und wie kann eine Regierung verhindern, dass es erneut passiert? Genau das wollten Forscher aus Singapur und China herausfinden.

Sie fütterten einen Computer mit Hunderttausenden von Umfragedaten und ließen ihn mit künstlicher Intelligenz ermitteln, welche Einstellungen etwas mit Hamsterkäufen zu tun haben könnten. Das Computer-Orakel entdeckte dabei tatsächlich einen Faktor, den Psychologen bisher übersehen hatten: Wer optimistisch nach vorn blickt, benimmt sich im Supermarkt tendenziell anständig. Wer jedoch für die Zukunft schwarz sieht, findet Hamsterkäufe eher verständlich.

Wer hoffnungsvoll in die Zukunft blickt, verhält sich moralischer

Um den vom Computer entdeckten Zusammenhang zu überprüfen, gaben die Forscher rund 150 Testpersonen einen Text zu lesen. Darin stand, die Corona-Pandemie sei bald überwunden. Anderen Probanden gab man einen Text, der das Gegenteil behauptete: Ein Impfstoff sei nicht in Sicht, die Krise werde noch lange anhalten.

Und tatsächlich: Die Testpersonen der ersten Gruppe verurteilten Hamsterkäufe nach der Lektüre signifikant stärker als die Teilnehmer der zweiten Gruppe. Der Trick scheint also zu funktionieren – auch wenn bislang nicht klar ist, warum. Das Fazit der Forscher: »Wenn wir wollen, dass die Leute sich moralisch verhalten, sollten wir ihnen Gründe dafür liefern, optimistisch zu sein, was die Zukunft der Pandemie anbetrifft.« 

(Text: Jochen Metzger)

Der Artikel ist in der Ausgabe 02/2021 von P.M. Fragen & Antworten erschienen.

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