Einige der größten medizinischen Erfolge haben wir den HeLa-Zellen zu verdanken. So ermöglichten sie, Impfstoffe gegen Kinderlähmung oder Medikamente gegen Krebs zu entwickeln. Doch wer steckt eigentlich hinter dem Kürzel HeLa?

Damals, im Jahr 1951, begann für die Medizin eine Revolution, für die betroffene Familie aber vor allem eine Leidensgeschichte. Mit stechenden Bauchschmerzen ging eine 30-jährige Frau namens Henrietta Lacks in Baltimore, USA, in das Johns Hopkins Hospital. Rasch war klar, dass sie an Gebärmutterhalskrebs litt, doch der behandelnde Arzt Howard Jones beschrieb ihren Tumor als besonders ungewöhnlich. Die Geschwülste sind meistens hart, der Krebs bei Henrietta Lacks war jedoch eher von weicher Konsistenz. Daher entnahm der Mediziner seiner Patientin einige Zellen und schickte sie zur weiteren Untersuchung an ein Labor. Dort wurde die Gewebeprobe in einem Gemisch aufbereitet und im Kühlschrank aufbewahrt – inklusive einer Aufschrift mit dem Kürzel »HeLa«.

Wie Henrietta Lacks unsterblich wurde

Normalerweise sterben solche Zellen innerhalb von Stunden bis Tagen ab. Doch die Tumorzellen von Henrietta Lacks überlebten nicht nur. Sie vermehrten sich immer weiter, zum Erstaunen der Forscher. Denn bis zu diesem Zeitpunkt war es noch niemandem gelungen, menschliche Zellen länger als ein paar Wochen im Labor am Leben zu halten. Erstmals war es den Medizinern gelungen, eine sich unendlich teilende menschliche Zelllinie zu züchten.

Den »HeLa-Zellen« sind seither unzählige wissenschaftliche Durchbrüche zu verdanken. Sie ermöglichten, Impfstoffe gegen Kinderlähmung oder zur Vorbeugung von Krebs zu entwickeln. So gelang dem Virologen Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg seine große Entdeckung: dass humane Papillom­viren vom Typ 16 und 18 Gebärmutterhalskrebs auslösen können. 2008 erhielt er dafür den Medizin-Nobelpreis, inzwischen gibt es eine Impfung gegen die Viren.

Mehr als 60 Jahre nach ihrem Tod leben die Zellen von Henrietta Lacks in unzähligen Laboratorien weiter

HeLa-Zellen sind einfach zu handhaben und vermehren sich schnell. Bis heute gehören sie deshalb zum Standard vieler Labors. »Sie sind die weltweit am häufigsten genutzten Zelllinien in der Krebsforschung«, sagt Felix Hoppe-Seyler, Leiter einer Arbeitsgruppe am DKFZ. Welch große Bedeutung ihre Zellen einmal für die Wissenschaft haben würden, konnte Henrietta Lacks damals nicht ahnen. Sie wurde nicht um ihr Einverständnis gebeten, ihr Gewebe für die Forschung zu verwenden. Henrietta Lacks starb, nur acht Monate nachdem ihr die Zellen entnommen worden waren. Erst Jahrzehnte später sollten ihre Nachfahren erfahren, dass die Zellen ihrer Mutter in zahlreichen Labors weltweit weiterlebten.

(Text: Astrid Viciano)

Der Text ist in P.M. Fragen & Antworten Ausgabe 09/2020 erschienen.

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