Es gibt Felsenfeste und Flatterhafte, Überflieger und Knochenjäger: Rund 30000 Tierarten leben in der Alpen-WG. Doch dieser hochsensible Lebensraum wandelt sich. Wie steht es um seine Bewohner? Hier lesen Sie einen Auszug aus der Titelgeschichte aus P.M. Fragen & Antworten Ausgabe 8/2020

Text: Barbara Lich

Auf der Wiesn führen sie ein flatterhaftes Leben, und doch sind Tagfalter, evolutionär betrachtet, äußerst beständig. Vermutlich starten und landen bereits seit mehr als 200 Millionen Jahren Schmetterlinge auf unserem Planeten, zumindest lassen fossilisierte Flügelschuppen in Gesteinsschichten aus der späten Trias und dem frühen Jura dies vermuten, aus frühen Erdzeitaltern also. Doch wie ist es um die Faltervielfalt in den Alpen bestellt? »Dazu haben wir bisher kaum Daten«, sagt Johannes Rüdisser von der Universität Innsbruck.

Alpenfalter sind streng geschützt

Vor gut zwei Jahren hat der Landschaftsökologe darum in Tirol das Monitoring »Viel-Falter« initiiert. »Schmetterlinge reagieren sehr sensibel auf ihren Lebensraum. Ein Vogel etwa kann erst einmal ausweichen und woanders Futter suchen. Doch wenn sich die Wiesen verändern, dann gibt es dort lokal einfach keine Falter mehr.«

Das Monitoring „Viel-Falter“ zählt die Schmetterlinge und erhebt die verschiedenen Arten

Für das Monitoring haben Rüdisser und seine Kollegen in Tirol und Vorarlberg 200 Standorte definiert, die verschiedene Wiesentypen repräsentativ abdecken: flache Wiesen, meist im Tal, die intensiv genutzt werden. Hangwiesen, oft mittelintensiv bewirtschaftet. Und Wiesen oberhalb der Baumgrenze, teils bewirtschaftetete Almen, teils alpine Matten. Pro Jahr erheben Experten an 50 Standorten viermal, welche Arten dort genau vorkommen. Nach vier Jahren beginnen sie wieder am ersten Standort. Zusätzlich zählen geschulte Laien alle Tagfalter, die sie an diesen Standorten sehen. Einst tummelten sich viele der rund 170 Tiroler Tagfalterarten vor allem auf den Wiesen in den Tälern.

Wir haben in den Tallagen derzeit durchschnittlich sieben, acht Arten, in den Hangwiesen etwa 14, 15 und in Schutzgebieten über 26.

Johannes Rüdisser, Universität Innsbruck.

Die intensive Bewirtschaftung, die starke Düngung und die häufige Mahd, also das häufige Mähen, führen dort jedoch zu einem massiven Artenrückgang, sagt Rüdisser. »Wir haben in den Tallagen derzeit durchschnittlich sieben, acht Arten, in den Hangwiesen etwa 14, 15 und in Schutzgebieten über 26.«

Ob manche Falterarten in Zukunft auch infolge des Klimawandels in die Höhe wandern, »das können wir mit unserem Monitoring hoffentlich in zehn Jahren beginnen zu beantworten«. Entscheidend dabei ist, dass die Schmetterlinge nicht zu sehr spezialisiert sind auf einen Lebensraum und sich umstellen können, wie etwa bestimmte Mohrenfalter, Erebia nivalis. Sie suchen ihre Nahrungspflanzen zwar gezielt aus, adaptieren sich aber schnell an das lokale »Buffet« der Wiesen. Damit sind die Vielflieger nicht auf ein bestimmtes Habitat beschränkt – eine wichtige Voraussetzung für den Überlebenskampf auf höchstem Niveau.

Schmetterlinge

  • Lepidoptera
  • Maße: variierend nach Art. Während die Flügelspannweite des Schwalbenschwanzes zwischen 5 und 7,5 cm beträgt, misst sie beim Kleinen Wiesenvögelchen nur 2,3 bis 3,3 cm
  • Nahrung: Pflanzennektar
  • Fortpflanzung: Weibchen legen die Eier oft an den Nahrungspflanzen der Raupen ab, die aus den Eiern schlüpfen. Nach mehreren Häutungen verpuppen sie sich und verwandeln sich in flugfähige Imagines. Viele Arten leben nur Tage, Wochen oder wenige Monate; bei einigen Arten schlüpfen mehrere Faltergenerationen in einem Sommer

Naturschutz zum Mitmachen: Hier können Sie als Bürgerwissenschaftler (Citizen Scientist) die Forscher unterstützen: Tagfalter zählen

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