Das tiefste künstliche Loch auf der Erde hat Russland gebohrt. Doch wo ist das tiefste noch aktive Bohrloch der Welt?

Niemals ist der Mensch so tief in die Erde eingedrungen wie bei der Kola-Bohrung auf der Kola Halbinsel in Nordrussland. Die Ingenieure erreichten im Jahr 1989, zehn Jahre nach dem Start, eine Tiefe von 12262 Metern. Sie wollten Kupfer- und Nickelvorkommen verfolgen und ergründen, wie sie entstehen. Außerdem ging es um neue Erkenntnisse über die Erdkruste, ihre Seismik und ihre Geothermie.

Die Arbeiten auf Kola wurden eingestellt

Im Jahr 1992 stellten die Russen die Bohrung wegen technischer Schwierigkeiten jedoch ein, obwohl sie ursprünglich 15000 Meter erreichen wollten. Später wurde der Bohrturm abgerissen, die anderen Gebäude der Station dem Verfall überlassen.

Das tiefste noch aktive Bohrloch der Welt haben deutsche Ingenieure 1990 bis 1994 bei Windischeschenbach östlich von Nürnberg in den Boden gedrillt. Dort ragt der 83 Meter hohe Bohrturm nach wie vor in die Höhe. Das Loch ist 9101 Meter tief und hat einen Durchmesser von 71 Zentimetern. Am tiefsten Punkt herrschen höllische Verhältnisse: 940 Bar (also das 940-Fache des normalen Luftdrucks) und 280 Grad Celsius.

Heute dient der Schacht vor allem als Testlabor für Messgeräte

Die Forscher des betreibenden Deutschen Geoforschungszentrums nutzen das Loch vor allem als Testlabor für geologische Experimente, lassen an Stahlseilen immer wieder Messinstrumente hinab oder testen neue Geräte wie etwa hochempfindliche Seismometer – also Detektoren für Erdbebenwellen.

(Text: Jan Berndorff)

Der Text ist in P.M. Fragen & Antworten Ausgabe 09/2020 erschienen.

Wie kann ich ohne Kraftaufwand Löcher bohren?

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