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Wer war der mysteriöse Drachenmensch?

25. Feb.

Foto: © Mr. Wei Gao/MUseum of National History London

Chinesische Forscher entdeckten in der Analyse eines Schädels einen alten Verwandten des Homo Sapiens - und tauften ihn "Drachenmensch"

(Text: Angelika Franz)

Vor rund 146 000 Jahren lebte im Nordosten Chinas ein merkwürdiger Verwandter des Homo sapiens. Sein Hirn war riesig, etwa so groß wie unserer heutiges. Seine Augen blickten aus sehr großen Höhlen, überschattet von dicken Überaugenwülsten. Und in seinem breiten Mund steckten außergewöhnlich große Zähne. Mit diesen Merkmalen passt der Schädel, der bereits 1933 entdeckt, aber erst jetzt wissenschaftlich untersucht wurde, auf den ersten Blick zu keiner der bekannten Hominidenarten. Die Paläoanthropologen Ni Xijun und Ji Qiang von der Hebei Geo University in Shijiazhuang haben den mysteriösen Vorfahren daher zu einer eigenen Art erklärt. Sie tauften ihn Homo longi (»Drachenmensch«) – nach seinem Fundort in der Provinz Heilongjiang, der »Provinz des Schwarzen Drachenflusses«.

Mithilfe einer computergestützten Formanalyse versuchten sie, den Platz des Schädels im menschlichen Stammbaum zu finden. Dafür legten sie 632 Merkmale fest und verglichen diese mit 95 weiteren Schädelfossilien. Einige Merkmale ähnelten jenen von Neandertalern, andere denen des Homo erectus. Als besonders interessant aber erwies sich eine dritte Gruppe von Merkmalen, die für eine Verwandtschaft mit dem sogenannten Unterkiefer von Xiahe sprechen. Der im Gebiet des heutigen Tibet gefundene Kiefer gehörte vermutlich einem Denisova-Menschen und war mit ähnlich großen Backenzähnen bestückt wie der des Drachenmenschen.

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Der erste vollständig erhaltene Schädel eines Denisova-Menschen?

Denisova-Menschen bevölkerten in einem Zeitraum vor 76 000 bis 52 000 Jahren das sibirische Altaigebirge und vor rund 160 000 Jahren die Region Tibet. Sie stehen sowohl den Neandertalern als auch dem Homo sapiens nahe. Heutige Asiaten tragen sogar noch Einsprengsel von Denisova-Erbgut in ihrer DNA. Allerdings sind von den Denisova-Menschen bis heute nur Fragmente bekannt: ein Fingerknochen, zwei Backenzähne – und eben der Unterkiefer aus dem tibetischen Xiahe. Die Forscher gehen in ihrer Studie zum Fund des Drachenmenschen auf diese Ähnlichkeiten allerdings nicht weiter ein. Entsprechend harsche Kritik äußerten viele Kollegen: Sie sehen in dem Schädel keine neue Hominidenart, sondern eine ganz andere Sensation: den ersten vollständig erhaltenen Denisova-Schädel.

Der Artikel ist in der Ausgabe 02/2022 von P.M. Schneller Schlau erschienen.

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