Die Ägypter hatten aus Punt Weihrauch, Ebenholz, Elfenbein, Gold und Tiere importiert, doch bis heute ist die genaue Lage von Punt nicht eindeutig geklärt.

Als Goldland wurde es bezeichnet, als Gottesland und Land des Weihrauchs, und wahrscheinlich wusste jedes Kind in Ägypten, wo es lag. Doch das Königreich Punt, ein wichtiger Handelspartner der Pharaonen, gilt heute als verschollen. Da keine Wegbeschreibungen oder Koordinaten überliefert wurden, können Wissenschaftler seine Lage nur vermuten.

Erste Expeditionen nach Punt gab es schon in der 5. Dynastie um 2475 v. Chr. Die für die Forschung wichtigste Reise aber unternahm Pharaonin Hatschepsut etwa ein Jahrtausend später. Auslöser dafür waren vor allem wirtschaftliche Gründe, sagt Roxane Bicker, Ägyptologin am Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München: »Myrrhe und Weihrauch wurden im Gottesdienst gebraucht und mussten teuer erhandelt werden.« Wenn man die Weihrauchbäume aus Punt direkt in Ägypten anpflanzen würde, käme es den Staatshaushalt deutlich günstiger, so lautete wohl das Argument Hatschepsuts.

Keine Wegbeschreibung, keine Landkarte, nicht ein einziger Hinweis auf die genaue geographische Lage von Punt

Ein gut erhaltenes Relief in Hatschepsuts Totentempel kündete einst von diesen exotischen Pflanzen sowie Tierarten wie Affen, Leoparden, Panthern und Nashörnern. Dazu kommen Pfahlbauten zwischen Palmen, die nur über Leitern betreten werden können. Zu den Importgütern aus der tropischen Region gehörten auch Straußeneier, Felle, Salz, Elfenbein und Gold. Der Versuch, Weihrauch selbst anzubauen, scheiterte jedoch. »Die Bäume kamen mit dem ägyptischen Klima nicht zurecht und gingen ein«, sagt Bicker.

Foto (C): Wikipedia
Foto (C): Wikipedia

Lag hier das einstige Königreich Punt? Es wird irgendwo im Osten Afrikas vermutet.

Die Darstellungen lassen vermuten, dass das Goldland am Meer lag. Ausgehend vom Vorkommen der Flora und Fauna auf dem Relief, Interpretationen von Reiseberichten und der Genanalyse von Haaren mumifizierter Paviane wurde Punt unter anderem in Somalia, Eritrea, Äthiopien, Sudan und auf der Arabischen Halbinsel vermutet. Eine Inschrift in Hatschepsuts Tempel verrät zudem, dass sich Ägyptens südliche Grenze bis nach Punt erstreckte. Wo im Osten Afrikas es sich befunden haben mag, bleibt aber weiter unklar.

(Text: Tino Falke)

Der Text ist in P.M. Fragen & Antworten Ausgabe 08/2020 erschienen.

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