Bodentruppen, Bombenhagel: Was passiert, wenn zwei Nationen sich nicht nur um Fußball streiten, zeigt dieses Beispiel.

Sport kann nicht nur einen, sondern auch spalten. Wie sehr, zeigte sich vor 50 Jahren, als am 14. Juli 1969 ein »Fußballkrieg« begann. Er endete nach etwa 100 Stunden mit bis zu 6000 Toten, 15 000 Verletzten und 50 000 Menschen, die durch Bomben ihre Häuser verloren. Auslöser des Konflikts waren die Qualifikationsspiele zur Fußball-WM im Jahr 1970 zwischen Honduras und El Salvador. Zu denen hatten sich die Länder jeweils eingeladen, sich aber nicht als gute Gastgeber erwiesen. Denn vor beiden Partien wurden die jeweiligen Gästespieler durch Krawalle heftig gestört.

Das Hinspiel gewann Honduras mit 1:0, das Rückspiel der Gegner El Salvador mit 3:0. Weil es im Jahr 1969 noch keinen Entscheid durch die bessere Tordifferenz gab, kam es am 27. Juni zu einem Entscheidungsspiel auf neutralem Boden, im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt. Dort gewann El Salvador mit 3:2 nach Verlängerung. Doch wieder kam es zu Krawallen zwischen Anhängern der beiden Teams. Im Stadion brannten Fahnen und Sitzschalen. Die mit Knüppeln bewaffnete mexikanische Polizei bekam die Lage nicht in den Griff, Zuschauer starben.

Einen Friedensvertrag gab es erst mehr als zehn Jahre später

Die Stimmung zwischen den beiden Nationen heizte sich in den kommenden Tagen weiter gefährlich auf. Und so ließ El Salvadors Präsident, General Sánchez Hernández, am 14. Juli ohne Kriegserklärung den Flughafen von Honduras’ Hauptstadt bombardieren. Kurz danach drangen salvadorianische Bodentruppen ein. Honduras wiederum reagierte mit eigenen Luftangriffen, konnte sich aber kaum wehren.

Der Fußball diente der Führung El Salvadors aber nur als Vorwand. Denn seit Beginn der 1950er-Jahre waren viele salvadorianische Bauern auf der Suche nach einer Lebensgrundlage nach Honduras eingewandert. Im Frühjahr 1969 hatte die Regierung von Honduras beschlossen, die Migranten durch Paramilitärs vertreiben zu lassen. Zehntausende Flüchtlinge kehrten zurück und erlebten eine verschlimmerte humanitäre Situation in ihrem Heimatland. Am 18. Juli 1969, am fünften Tag nach Beginn des Fußballkriegs, schlossen die Parteien auf Druck der Organisation Amerikanischer Staaten einen Waffenstillstand. Ein Friedensvertrag folgte jedoch erst 1980.

(Text: Dieter Möller)

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