Die Meisterschale ist ein Wanderpokal für den Gewinn der deutschen Meisterschaft im Fußball. Woraus besteht die begehrte „Salatschüssel“?

Wenn nach der Sommerpause die neue Saison in der Fußball-Bundesliga beginnt, steht eine Schale im Mittelpunkt von Hoffnungen und Wünschen vieler Vereine. Die Profisportler kicken um die wichtigste deutsche Fußballtrophäe: die Meisterschale, im Fußballjargon oft respektlos oder liebevoll auch als »Salatschüssel« bezeichnet. Den Wert schätzt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf 25 500 Euro.

Ein gutes Dreivierteljahr später wird der Kapitän der nächsten Meistermannschaft die Trophäe in Empfang nehmen, nach dem letzten Spiel als Höhepunkt der Saison. Wenn denn nach der Coronakrise wieder jubelnde Fans im Stadion sein können, werden sie wie viele Jahre zuvor Zeuge werden, wie die Schale von Mitspieler zu Mitspieler gereicht wird, bei einer Ehrenrunde.

Bereits seit der Saison 1902/1903 werden die Meister des DFB ermittelt. Der VfB Leipzig gewann 1903 durch den 7:2-Endspielsieg gegen den DFC Prag den ersten Titel, er ist auch mit seinem Vereinsnamen auf der Schale eingraviert. Die Ehrenrunde drehten die Leipziger aber mit Viktoria, einer Bronzestatue. Mit ihr wurden alle Meister bis 1944 geehrt. Während des Zweiten Weltkrieges ging die Trophäe verloren. Der 1. FC Nürnberg musste als erster deutscher Meister nach dem Krieg 1948 ohne einen Pokal feiern.

Elisabeth Treskow übte als eine der ersten Frauen professionell die Goldschmiedekunst aus

Mit leeren Händen auf dem Siegerpodest sollte der nächste Meister nicht stehen. So beauftragte der DFB eine neue Meistertrophäe bei der Goldschmiedin Elisabeth Treskow, Leiterin der Gold- und Silberschmiedeklasse der Kölner Werkschule. Zusammen mit ihren Schülern schuf sie das Objekt und verwendete dafür fünfeinhalb Kilogramm Sterlingsilber, fünf große und elf kleine Turmaline, also Edelsteine, mit einem Gewicht von insgesamt 175 Karat.

Die Spieler des VfR Mannheim empfingen 1949 als Erste die neue, im Durchmesser 50 Zentimeter große Meisterschale nach ihrem 3:2-Sieg gegen Borussia Dortmund. 1981 vergrößerte der Gold- und Silberschmiedemeister Adolf Kunesch aus Rodenbach bei Hanau die Schale um einen äußeren Silberring mit weiteren fünf Turmalinen in einer Goldfassung, sodass alle Titelgewinner Platz fanden. Weil der Künstler im Jahr 2009 die ursprünglichen Gravurplatten durch fünf neue, größere ersetzte, können wohl die Meister bis zum Jahr 2027 auf der nun elf Kilogramm schweren Schale verewigt werden.

(Text: Dieter Möller)

Der Text ist in P.M. Fragen & Antworten Ausgabe 08/2020 erschienen.

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